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Manchmal wundere ich mich ja schon. Inzwischen ist es wohl sechs Jahre her, dass ich meinen letzten Live-Chat auf www.t-online.de moderiert habe. Trotzdem taucht das Moderatoren-Portrait bei der Suche nach meinem Namen immer noch an dritter Stelle als Treffer bei Yahoo auf.

Prominenter Treffer mit totem Link bei Yahoo


Ich kann mich noch gut an die nervösen Momente erinnern. Schnell noch einen Schluck Wasser, ein kurzes Räuspern, Kamera an und los ging es: „Hallo und herzlich Willkommen zum T-Online-Live-Chat…“ Über manche Jugendsünden legt sich glücklicherweise auch im Web der Schleier des Vergessens.

Nicht vergessen habe ich dagegen die Problematik mit dem Format Live-Chat. Die Teilnehmerzahlen waren höchst bescheiden. Und das obwohl wir damals schon den kompletten Chat in Bild und Ton gestreamt haben. Zumindest ein Gutes hatte dieses aufwändige Vorgehen: Irgenwann wurden diese Produktionen mit drei Kameras so teuer, dass die Chats auch wieder eingestellt wurden.

Umso mehr wunderte es mich in den vergangenen Wochen, dass sich das Live-Chat-Format noch so hartnäckig in der Schweizer Medienlandschaft hält:

  • Bei 20 Minuten steht Mister Schweiz Stephan Weiler im eTalk
  • Beim Blick ist es der Deutsche Superstar Thomas Godoj
  • Bei der BAZ Olivier Pagan als Direktor des Basler Zoos.

Auf den ersten Blick ist die Idee immer noch grossartig:

  • Leserinnen und Leser wissen am besten, welche Fragen Sie interessieren
  • Wo sonst kann das Publikum so einfach mal einen Prominenten befragen?

Vielen erscheint das Format deshalb als Inbegriff für Interaktion und echten Mehrwert im Vergleich zur Zeitung. Da lohnt es sich scheinbar auch heute noch in die Zukunft zu investieren.

Ich glaube nicht daran! Über kurz oder lang wird das Thema wieder von der Bildfläche verschwinden, denn der Rest der Medien entwickelt sich genau in die anderen Richtung:

  • Auf Video-Plattformen wie Youtube erreichen TV-Serien wie Stromberg erstaunliche Reichweiten, da sie dort zu jeder Zeit auf Wunsch abrufbar sind
  • Das Schweizer Radio DRS hat den „On-Demand“-Trend gut erkannt und bringt die wichtigsten Sendungen längst als Podcast
  • Bluewin TV hat nicht nur viele Kanäle und Video-On-Demand sondern ermöglicht mir Dank Festplattenrekorder auch TV-On-Demand.

Im Prinzip funktioniert das ganze Web unter der Devise: Gib mir meine aktuelle Informationen, wann und wo ich sie will. Warum, soll das ausgerechnet beim Live-Chat anders sein? Feste Sendezeiten sind ein Relikt aus alten TV-Tagen. Wirklich erfolgreiche Webformate lassen sich daraus sicher nicht entwickeln.

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