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Alexander Wunschel ist Marketing- und Kommunikationsberater und lebt in München und betreibt den NewMedia-Podcast „Blick über den Tellerrand“ unter www.pimpyourbrain.de. Gleichzeitig produziert er Podcasts für Playboy, Starbucks und MSN.

Jetzt gibt es schon mehr als 160 Ausgaben von Deinem Podcast „Blick über den Tellerrand“. Kannst Du Dich noch erinnern, wie Du angefangen hast und was die Ursprungsidee war?

Das war Anfang 2005, drei Monate nachdem ich Podcasting kennen gelernt hatte. Damals entstand die Idee für die Mitglieder unseres Marketing-Club München einen Audionewsletter zu erstellen und dabei die Neuigkeiten aus den neuen digitalen Medien zusammenzufassen. Zudem wollte ich die Erfahrungen aus meiner Beratungstätigkeit auch für mich dokumentieren und mit anderen teilen. Daraus wurde dann das wöchentliche Format für die „Freunde der fröhlichen Marktbearbeitung“.

Was hat sich in Deiner Einschätzung zum Thema Podcast seit dem Start geändert?

Nun, wir haben seither ein rasantes Wachstum zu verzeichnen. Sowohl auf Seite der Content-Anbieter mit bis zu 130.000 Podcasts weltweit, als auch auf Seiten der Medienkonsumenten. Hier werden je nach Studie ca. 3 – 5% der Onliner als regelmässige Podcastnutzer angesehen. Podcasting und Web-Video sind beim Konsumenten auf ein latentes Bedürfnis nach Mediensouveränität gestossen, und die Aktivitäten in allen klassischen Medien zeigt, das dies zu einem evolutorischen Akt wächst. Audio-Podcasting und die Abonniermöglichkeit über iTunes hat aber immer noch mit der technischen Hürde „iPod / iTunes“ zu kämpfen. Aber die Nutzung auf der Website oder dem Weblog steigt stark an.

Du bist dafür bekannt, dass Du nicht über den Tellerrand schaust. Auch der Blick über die Stadtgrenze Deines Wohnorts Schwabing gehört in das Repertoire Deiner Shows. Was fällt Dir beim Thema Podcasting und Schweiz ein?

Na, ich blicke sehr wohl über den Tellerrand 😉 Zuerst freut es mir sehr auch viele Zuhörer in Österreich und der Schweiz begrüssen zu dürfen. Diese sind im Vergleich zu dem deutschen Publikum auch aktiver, wenn es um Feedback und Tipps für neue Inhalte geht. Sehr sympathisch an den beiden Nachbarländern ist die Art und Weise, wie sie mit dem Thema umgehen. Hier scheinen die Projekte wohl überlegt und konsequent und konzentriert aufgesetzt. Ich mag Österreich und die Schweiz einfach, und das mag auch an dem Dialekt liegen.

„PIMPS-Ranking – Der Podcast Integrity Marketing and Promotion Score“ ist das Stichwort unter dem Du die Qualität von Unternehmenspodcasts untersuchst. Was sind denn die häufigsten Fehler, die beim Thema Podcasts gemacht werden?

Mit dem P.I.M.P.S. untersuche ich ja Dimensionen wie Konzeption, Produktion, Distribution, Promotion und Sichtbarkeit der Angebote. Und gerade beim letzten Punkt habpert es noch bei vielen Unternehmen. Das Angebot aktiv und transparent mit einer Website oder einem Blog zu begleiten, damit die Auffindbarkeit und den Zugang zu erleichtern und Interaktion zu ermöglichen sollte erstes Ziel für ein Corporate Podcast sein. Das ist leider nicht immer gegeben, und man wundert sich dann über zu geringe Abrufe.

Was ist Dein Eindruck zum Einsatz von Podcasts in Zeitungs-Verlagen?

Verlage haben viel mit Audio-Podcasts experimentiert, aber viele sind aus deren Sicht gescheitert. Verlage sind andere Reichweiten gewohnt, und geben dann leider zu schnell auf. Hier scheint die gefühlte Nähe zu Video die Digitalen Medien zu dominieren, und ein paar hundert oder tausend Downloads passen einfach nicht in das gelernte Reichweitengeschäft.

Hast Du sowas wie eine persönliche Top 5 im Sinne von: Diese Podcasts muss man gehört haben.

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Pascal Fessler ist Leiter des webCenter Ringier in der Schweiz. Er produziert unter anderem das Web-TV für die Schweizer Illustrierte, CASH und Blick. Der Betreiber dieses Blogs und Pascal Fessler kennen und duzen sich durch ihre Zusammenarbeit bei den Rezeptvideos der Coopzeitung.

Die jüngste Pressemitteilung zum webCenter Ringier ist fast ein Jahr alt. Wer diese Woche im Netz nach einer Eigendarstellung von Euch sucht, findet allerdings wenig. Kannst Du für alle, die Euch nicht kennen, nochmal kurz erklären, was ihr im Moment alles macht?

Neben unserem Tagesgeschäft, dem Produzieren von Web-TV Sendungen für Blick, CASH oder die Schweizer Illustrierte, können wir zur Zeit viele neue spannende Projekte für Kunden ausserhalb der Ringier Welt lancieren. Eben gestartet ist diesen Monat die Web-TV Reihe eHeinz für Schweiz Tourismus. Für unsere Kunden konzipieren und realisieren wir Web-TV Gefässe, Viral-Spots oder Präsentationen für Kunden und Mitarbeiter über Intranet. D.h. wir definieren gemeinsam Aussagewunsch, erarbeiten die Drehbücher/ Script, organisieren die Drehs, drehen und produzieren das Video um es abschliessend auf dem Web, im TV oder auf dem Handy zu publizieren.

Unsere Stärke liegt darin, dass wir in diesem neuen Feld der Medien bereits über zwei Jahre an Erfahrung sammeln konnten. Unsere Kunden schätzen dies. So übersteigt die Nachfrage teilweise unsere Kapazitäten und wir gehen bereits wieder dem nächsten Ausbauschritt entgegen. Aktuell beschäftigen wir 13 Mitarbeiter, vor zwei Jahren waren wir 4.

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Web-TV und Fernsehen?

Gibt es einen? Diese Frage wird sich in den nächsten Jahren nicht mehr stellen, davon bin ich überzeugt. Web-TV und klassisches TV werden sich weder über den Inhalt noch über den Verbereitungsweg unterscheiden. Damit isch schon gesagt, wo im Moment der wesentliche Unterschied liegt. WebTV Inhalte sind meistens wesentlich kürzer und auf eine junge Zielgruppe gerichtet. Dies hängt mit der Verbreitungsart zusammen. Zudem ermöglicht Web-TV in Zukunft, dass jeder in der Garage mit wenig Geld und entsprechendem Wissen Web-TV machen kann. Diesen Umstand nutzen auch heute bereits erste grosse Fernsehstationen und Verlage und ermöglichen so Projekte, welche mit dem Kostenblock des traditionellen TVs nicht machbar gewesen wären.

Unter dem Stichwort „Medienkonvergenz“ vertreten viele internationale Experten die Meinung, dass der Print-Journalist in Zukunft auch Inhalte für das Web produzieren kann. Manche meinen sogar, dass er gleich noch einen kleinen Film fürs Internet machen könnte. Warum brauchen wir dann noch Spezialisten wie Euch?

Wir fahren solche Tests seit zwei Jahren. Unser Fazit: es kommt auf den Anspruch an. Wer nur ein abgefilmtes Statement einer Pressekonferenz braucht, der kann dies mit wenig Ausbildung und einfachem Equipment bereits heute tun. Uns Spezialisten braucht es aber auch da für eine weitere Verwertung. Und wo Qualität und Zeitdruck eine Rolle spielen, da müssen wir weiterhin Spezialisten einsetzen. Weil wir der Überzeugung sind, dass Web-TV mehr ist als einfach nur bewegte Bildchen auf der Page zu haben. Konvergenz sehen wir eher darin, dass jeder alle Medien versteht und kombinieren kann und so ein gemeinsames Spiel entstehen kann. Das ein Journalist alles produziert erachte ich als unmöglich und wenig sinnvoll.

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SollbergerAlexander Sollberger ist CEO der Mobiltechnics AG in Biel. Die Firma hat unter anderem die Mobile Portale von 20 Minuten, Tagesanzeiger und Tele 2 umgesetzt. 2007 sorgte die Mobiletechnics AG mit der Crossmedia-Aktion „Die Schweiz wählt eine neue Hauptstadt“ für Aufsehen. Alexander Sollberger und der Betreiber dieses Blogs kennen und duzen sich durch ihre Zusammenarbeit bei mobile Projekten wie der Handysafari von Coopzeitung und Schweiz Tourismus.

Jedes Jahr wird uns ein Durchbruch beim Surfen mit dem Handy versprochen. Wann und wo surfst Du denn mit Deinem Handy?

Wenn ich unsere Applikationen Teste ;-). Nein im Ernst. Wenn ich unterwegs bin um kurzfristig an Information zu kommen. Das können Sport, Wetter oder sonstige Informationen sein.

Hast Du aktuelle Zahlen zur mobilen Internetnutzung in der Schweiz? Wieviele könnten es und wieviele machen es im Moment?

Aktuelle Zahlen habe ich nicht aber Schätzungen aus unserer Praxis. Mobile Geräte wären theoretisch fast alle in der Lage Mobile Internet darzustellen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es im Moment aber nur wenige nutzen. Ich denke, dass nur ca. 30 Prozent der Geräte auch installiert sind. 10 Prozent des Handymarktes haben erste Erfahrungen gesammelt. Die regelmässige Nutzung liegt bei 1 bis 2 Prozent.

Warum ist die mobile Internetnutzung in der Schweiz bisher so bescheiden und wie könnte sich das ändern?

Wenn die Operator eine klare und faire Preispolitik kommunizieren. Der Trend ist aber sehr positiv. Operator beginnen mit Flatrates und die Medien kommunizieren dies zaghaft. Die Userzahlen ziehen an und auch die Marktnachfrage nimmt rasant zu. Ich denke, bis ins 2010 sollte sich Mobile Internet zu einem Geschäft entwickelt haben.

Beim Thema Kosten und Mobil-Telefon klingeln bei vielen von uns noch die nervigen JAMBA-Spots im Hinterkopf. Sind diese Downloads von Klingeltönen und simplen Handyspielen eigentlich noch ein Thema?

Der Markt existiert immer noch mit ansprechenden Umsätzen. Der Markt ist aber rückläufig oder besser gesagt, er verändert sich. Was heute ein Klingelton ist, wird morgen ein Musiktitel sein.

Es wird wenig gesurft und weniger Klingeltöne werden auch verkauft. Was machen denn Herr und Frau Schweizer dann mit Ihrem Handy ?

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René Herzer ist Geschäftsführer von Neuland + Herzer Brand New Media. Die Agentur hat unter anderem Mercedes-Benz bei der Mixed-Tape-Podcastreihe und dem Aufbau von Mercedes-Benz-TV betreut. Gleichzeitig haben die Deutschen den Autohersteller und auch Schweizer Firmen wie Swisscom Directories AG in die virtuelle Welt Second Life begleitet. René Herzer und der Betreiber dieses Blogs kennen und duzen sich durch das Second-Life-Projekt von Coop und den Videopodcast von Schreiber vs Schneider.

Was haben Du und Dein Second-Life-Avatar in den vergangenen Wochen erlebt?

Mein alter ego hat neue Gesichter bekommen und schaut sich auf anderen Plattformen derzeit um. Zum Beispiel das Projekt www.twinity.de ist interessant.

Ihr habt einige bekannte Kunden in die dreidimensionale Welt begleitet. Der Suchservice von Directories ist verschwunden. Die Coop-Promotoren Reto und Lara schlafen mit ihren Bernhardiner Welpen in irgendeinem Versteck. Und als einer Eurer prominentesten Kunden in diesem Bereich hat sich nun auch Mercedes-Benz aus Second Life verabschiedet. Haben die Spötter also recht behalten: War das alles nur ein Hype?

Second Life ist eine von vielen Plattformen auf der man sich mit einem Avatar bewegen kann. 3D wird eine wichtige Rolle im Internet spielen und als Technik neben anderen Technologien existieren. Es wird aber nicht die gesamte Internetstruktur ersetzen, weil die 3D-Darstellung nicht immer passend ist zum jeweiligen Informationsbedürfnis bzw. zur aktuellen Interaktion. Second Life bietet als Plattformtechnologie eine Menge Freiraum zum experimentieren für Nutzer und somit auch für Marken, denn ohne Nutzer kein Experiment. Ein grosses, virtuelles Labor. Was unsere Kunden betrifft, haben wir alle Projekte mit dem eindeutigen Etikett „Experiment“ von Anfang an versehen. Es geht darum das Nutzerverhalten kennenzulernen, die Art und Weise der Interaktion, wenn Nutzer direkt über einen Avatar mit der Marke in Kontakt kommen (was wollen die wissen, worüber wird geredet) und wie sich die Nutzer untereinander verhalten.

Ausser den Spesen ist da also doch noch was gewesen. Was hast Du persönlich für die kommenden Webjahre in Second Life gelernt?

Die Begegnung von Avatar zu Avatar – also von Mensch zu Mensch, da hinter jedem Avatar ein Mensch steckt, ist spannend. Soziale Nähe wird spürbar, weil die Bewegung, das Aussehen und das Verhalten meines Gegenübers mit in den Dialog reinspielen. Das ist weit mehr als Textzeilen in einem Chat. Gelernt habe ich, dass die Etablierung von 3D-Welten als Teil des Internets nicht schlagartig erfolgen wird, sondern schleichend in den Web-Alltag Einzug hält. Das ist ähnlich wie Video heute als normal empfunden wird und bis vor kurzem u.a. Bandbreitenbedingt gar nicht existierte.

Ich persönlich gehe mit dem Gefühl raus, das feste Standorte in so einer dreidimensionalen Welt teuer und nicht ganz einfach sind. Bei unserer gemeinsamen Aktion für Coop hat mir gefallen, dass die Promotoren sich frei bewegen konnten und ihre Zielgruppe an jedem Ort selbst ansprechen konnten. Gleichzeitig sind sie günstiger als eine feste Insel. Was könnten andere Kunden von Euch aus Ihren Engagements gelernt haben?

Jede Marke und jedes Produkt brauchen eine Platzierung die zu ihren Produkten passt. Ein Autohersteller mit einer Premiummarke wie Mercedes-Benz steht für ein bestimmtes Produkt, nämlich eben für Autos. Wenn er die den Nutzern präsentiert, dann braucht er dafür eine Insel, damit alle Anforderungen an die Produktpräsentation ausgeschöpft werden können die zur Verfügung stehen, wenn man eine Insel betreibt. Die Coop steht für tausende von Produkten. Da die nicht alle abgebildet werden können – und vor allem nicht müssen. Deshalb war der Weg Markenbotschafter zu entsenden, die auch neben dem das sie als solche erkennbar sind, den Nutzern etwas unverbindlich schenken, ein passender. Die Erfahrungen von Avatar zu Avatar werden gemacht und die Dialoge ergeben interessante Erkentnisse zur Frage: Was wollen die Nutzer hier eigentlich und wie reagieren die auf uns?

Gibt es ein Erlebnis im Second Life von dem Du Deinen Kindern in zehn Jahren noch erzählen wirst?

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Frank Syré ist Chefredaktor von www.zoomer.de . Unter dem Slogan „Wir machen Nachrichten“ wurde die Newssite im Februar von der Verlagsgruppe Holtzbrinck gestartet. Für die Platzierung auf der Startseite spielen Aktualität und Beliebtheit bei den Lesern eine Rolle. Weniger Arbeit hat der Chefredaktor trotzdem nicht. Der Betreiber dieses Blogs und Frank Syré kennen und duzen sich seit ihrer Zusammenarbeit bei www.t-online.de.

Als Motorsport-Fan kennst Du sicher auch Euren Namensvetter. Was haben der Honda Zoomer und die Nachrichtenplattform Zoomer gemeinsam?

Schau Dir unsere Startseite an – wir sind knapp zwei Bildschirmseiten lang, bei klassischen Nachrichtenportalen scrollst Du zehn, elf, zwölf Seiten runter, auf der Suche nach relevanten News. Wie der Zoomer haben wir unnötigen Ballast einfach weggelassen und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Nachrichten – und zwar die wichtigen des Tages.

Traditionelle Journalisten sind sich Ihrer Meinung oft sehr sicher. Auf dieser Basis wurde in der Vergangenheit entschieden, wo und was heute auf der Website oder am nächsten Tag in der Zeitung steht. Euer Ranking-System aus Aktualität und Leser-Interesse nimmt dem Chefredaktor ein grosses Stück von dieser traditionellen Aufgabe weg. Wie fühlt sich das an, wenn Leser zu Blattmachern werden?

Es fühlt sich sehr gut an, weil wir nicht mehr in ein schwarzes Loch hinein publizieren, sondern ganz schnell an der Reaktion der Leser – Klicks und Kommentare – sehen, wie sich das Ranking verändert. Wir bekommen Feedback, welche Aspekte noch interessieren, bekommen Infos von den Usern, die unsere Themen besser machen. Stories, die wenig interessieren, lassen wir dann wieder fallen, stecken Recherche und Herzblut dann in die Themen, die den User interessieren. Die Aufgabe – auch an den Chefredaktor – ist also neu gestellt, es geht mehr darum, ein Thema richtig zu machen, den Nerv der Zielgruppe zu treffen. Unsere Zielgruppe will eine andere Perspektive auf die Themen. Bei Politik geht es zum Beispiel nicht mehr um Ideologien, sondern um Nutzwert und Fakten.

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Christoph Lüscher ist Projektleiter und einer der Erfinder von FACTS 2.0, dem Newsnetzwerk der Tamedia in Zürich. Gleichzeitig ist er Geschäftsführer der Datingplattform PartnerWinner.ch. Christoph Lüscher und der Betreiber dieses Blogs kennen und duzen sich seit ihrer Zusammenarbeit beim Aufbau eines crossmedialen Partnerschaftsformats für die Coopzeitung.

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Web-News vom TV-Sender AL JAZEERA, Ansichten aus dem Blog zum Thema Anmut und Demut oder Meldungen aus der NZZ. Weiss Dein Chef bei der Tamedia eigentlich, was die Besucher von Facts 2.0 so alles unter Eurem Dach für Informationen abonnieren können?

Absolut. Radikale Offenheit, gleiche Ausgangslage für alle Quellen und Vernetzung waren von Anfang an Teil des Konzepts. Freilich im Rahmen eines Experiments finden meine Vorgesetzten einfach spannend, was passiert, wenn man auf der grünen Wiese mal etwas so richtig internettiges macht.

Wann hat Dein Chef aufgehört, die Idee Facts 2.0 für verrückt zu halten und wie hast Du die Verantwortlichen von dem Konzept überzeugt?

Die Idee kam erstaunlich rasch an, wohl auch weil der mögliche Gewinn (tiefgreifende Erkenntnisse über das Funktionieren der Aufmerksamkeitsökonomie im Internet, möglicher finanzieller Erfolg) in einem offensichtlich guten Verhältnis zum recht geringen Risiko standen. Wir konnten FACTS 2.0 auf modernster, schlanker Technologie und teils auf einer bestehenden Applikation aufbauen. Offshoring und viel Goodwill von allen Beteiligten liessen FACTS 2.0 zu einem der schnellsten und schlanksten Webprojekte werden, die ich persönlich kenne. Ende Juni hatten wir die erste Idee, anfang September waren wir mit einer ersten Version online.

Ich habe dieses Jahr noch ein Klassentreffen. Bei so einem Anlass verstehen immer weniger Teilnehmer, was ich heute eigentlich beruflich mache. Wie erklärst Du einem ehemligen Mitschüler die Idee hinter FACTS 2.0 und was Du da machst?

Unlängst hat mich doch tatsächlich jemand gefragt, wann ich denn gedenke, in meinem Leben noch „etwas Richtiges“ zu machen. Online Dating lässt sich jedem erklären: Du suchst einen Partner, Du findest ihn bei uns. FACTS 2.0 ist da schon schwieriger. Ich versuche, die Leute bei ihrem Interesse abzuholen: wenn Du Dich für das Weltgeschehen unter Ausnahme von Britney Spears interessierst und gerne diskutierst, dann schau mal vorbei, online verstehst Du es besser, als wenn ich es Dir hier erkläre. Wenn mir allerdings jemand sagt, das Internet sei nicht real, dann lächle ich und gehe meines Weges. Den Hang zum missionieren habe ich längst abgelegt.

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Ich nehme alles zurück. Wir können jeden Hinweis in Sachen “kalte Klima-Anlage” aus den vergangenen Wochen streichen. Seitdem ich zurück im Schweizer Winter bin, bekommt das Adjektiv “kalt” wieder eine ganz andere Bedeutung. Trotzdem gibt es – wie versprochen – zum Abschluss noch ein kurze Passage aus einem Interview mit Felix Soh, dem Leiter Digitale Medien bei der Singapore Press Holdings.

Im Juni feiert STOMP den zweiten Geburtstag. Was war das Schwierigste beim Aufbau im Umfeld eines traditionellen Medienhauses?
Die erste Herausforderung war, dass es für die Einwohner von Singapur ein vollkommen neues Angebot war. Das Zweite war der Entwicklungsprozess. Viele Leute sagen ja das Internet lebt in einem fliessenden und chaotischen Prozess. Aber ich finde um eine solche Webseite zu betreuen muss man ein gewisse Disziplin haben. Wir haben uns deshalb einige Regeln gegeben. Wir wollten von Anfang an jede Meldung, die uns die Leser ins Haus geschickt haben, veröffentlichen. Irgendwann merken die Leute: Hey, STOMP veröffentlicht meinen Hinweis.

Was ist der grösste Unterschied zwischen Bürgerjournalismus und traditionellem Lokaljournalismus?
Wir haben eine grössere Themenvielfalt und berichten über alles, was in der Gegend passiert. Wir haben für alles Platz, denn eine traditionelle Lokalzeitung ist ja immer räumlich begrenzt. Einige unserer Themen würden in einer ernsthaften Zeitung aber sicher nicht erscheinen.

Was für Schwierigkeiten gibt es, wenn Laien zu Fotografen und Journalisten werden?
Das grösste Problem ist natürlich das Gesetz. Aber im Internet bin ich überzeugt davon, dass wir Risiken eingehen müssen. Wenn Du ängstlich bist und immer nur nach den Gesetzen spielst, wäre die Webseite nicht dynamisch. Die Wichtigste ist, dass wir uns in der multikuturellen Umgebung von Singapur richtig bewegen. Das heisst, wenn es nicht relevant für die Geschichte ist, nehmen wir die Rasse und Herkunft des Betroffenen raus. In diesem Punkt und wenn es um Religion geht sind wir sehr vorsichtig.

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