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Archive for Oktober 2008

„Wir müssen dann schon aufpassen, dass aus Bürgerjournalismus nicht irgendwann Würgerjournalismus wird.“ Manche Sätze aus einem Meeting bleiben einem länger im Kopf. Und mit einem abgeschlossenem Rhetorik-Studium habe ich Respekt vor gut gemachten Wortspielen. Dies hier ist zwar etwas schräg, aber durchaus zündend, wenn es um polemische Stimmungsmache geht.

Wenn jetzt noch von „Loser Generated Content“ die Rede ist, dann finde ich diese Abwandlung von „User Generated Content“ rein sprachlich auch nicht ganz talentlos.

Apple-Kurs sinkt nach Falschmeldung eines Leserreporters

Inhaltlich sind solche Äusserungen ein Akt der letzten Verzweiflung. Daran ändert auch „Johntw“ nichts Wesentliches. Anfang Oktober hat „Johntw“ mit der Falschmeldung über einen angeblichen Herzinfarkt von Apple Boss Steve Jobs beim iReport von CNN für grosse Aufregung gesorgt.

Dies ist mehr als ein schlechter Scherz und die negativen Auswirkungen auf den Börsenkurs von Apple haben gezeigt, was ein einzelner Bürgerjournalist alles anrichten kann.

Im Moment gibt es allerdings mehr als 171 000 Beiträge auf der CNN-Plattform, die erst im Februar gestartet ist. Wenn ein Idiot daneben haut, sollte sich der eine oder andere Kritiker deshalb schon überlegen, ob er gleich das ganze Genre in Frage stellt. Es gab auch im professionellen Medienbetrieb mehr gravierende Falschmeldungen als die Hitler Tagebücher beim Stern. Danach wurde auch nicht die Publikationsform „Magazin“ in Frage gestellt. Warum also die freudigen Reaktionen auf ein Scheitern und Polemisches wie „Würgerjournalismus“ ?

Falsche Erwartungen an Bürgerjournalisten gehabt

Es ist die pure Enttäuschung, die Kritikern von Bürgerjournalismus und User Generated Content so viel Aufwind verschafft. Vor gut zwei Jahren hatten viele  Verleger in Deutschland noch glänzende Augen, als die Saarbrücker Zeitung mit dem Leserreporter anfing. Beim Ifra-Kongress Zeitung online 2006 wurde begeistert über das Thema diskutiert.

Die Technik kam von den Pionieren der norwegischen Verlagsgruppe Schibsted. Beim Boulevard Blatt Verdens Gang hatten die Norweger während des Tsunamis beeindruckende Erfahrungen gesammelt. Das  Lehrstück zum Thema Bürgerjournalismus wird in diesem PDF ab Seite 46 verkürzt erklärt.

User Generated Content gibt es nicht kostenlos

Was der Referent damals verschwieg, sind zwei Grundregeln des Bürgerjounalismus, die jedem ausgebildeten Journalisten auf den Magen schlagen:

  • Medienhäuser und Journalisten verdienen Geld mit Inhalten. Wenn jemand trotzdem kostenlose Inhalte für ein Medienhaus liefert, bedarf es zumindest einer grossen Portion Respekt. Wer da nach journalistischen Massstäben redigiert, wird schnell merken, dass seine Leserreporter das gar nicht schätzen.

Mit Themenauswahl, Themengewichtung und einer eigenen Sprache nehmen die Leserreporter klassischen Journalisten also sehr viel Elementares aus Ihrem eigentlichen Berufsbild weg.

Da kann man schon mal etwas polemisch mit Schlachtrufen wie „Würgerjournalismus“ und „Loser Generated Content“ reagieren. Aufhalten lässt sich die Entwicklung damit allerdings nicht.

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Ich bin mir ziemlich sicher: Spätestens an Weihnachten werden die EeePCs der grosse Verkaufsschlager. So ein kleiner, feiner Mini-Laptop zu einem derart günstigen Preis wird viele begeistern.
Nach drei Wochen mit meinem EeePC kann ich sagen, dass diese Art von Computer eine ganze Menge Vorteile hat:

  • Grösse und Gewicht sind einmalig. Ein EeePC wiegt weniger als ein Kilo. Das führt zu einem vollkommen neuen Surferlebnis im Web. Er trägt sich locker und leicht wie ein Taschenbuch und kann deshalb auch mal bequem einhändig auf dem Sofa bedient werden. Mit diesem Format könnte ich mir  das Gerät schon fast als eBook-Reader vorstellen. Zum Mailen und Surfen auf Dienstreisen reicht das alle mal.
  • Der EeePC ist ein Blitzstarter. Mit dem Betriebssystem Linux dauert es nur wenige Sekunden bis das Gerät hochgefahren und online ist.
  • Beim Modell mit 8.9 Zoll werden die meisten Webseiten fehlerfrei dargestellt. Vorsicht bei Sonderangeboten. Bei den ersten Modellen konnte teilweise noch keine Auflösung von 1024 x 600 angezeigt werden. Manche Webseite erscheint da ziemlich hässlich.

Keine Frage: Der EeePC ist ein einfaches und sehr praktisches Surfbrett, das nebenbei auch für Skype und IP-Radio einsetzbar ist.  Ein weiteres Mal kommt die treffendste Umschreibung für einen Gegenstand aus dem Englischen. Dort heisst Geräte wie der EeePC inzwischen „Netbook„.

Wer das Gerät dagegen im klassischen Sinne als Notebook nutzen will, muss ein paar handfeste Nachteile in Kauf nehmen:

  • Die Tatstaur ist sehr klein. Wer schnell und blind tippt und auch immer wieder auf anderen Tastaturen schreibt, wird sich häufig vertippen.
  • Die Akkulaufzeit ist begrenzt. Ich habe zwar noch nie so richtig auf die Stoppuhr geschaut, aber nach knapp drei Stunden im Web ist der Akku leer.

Vielleicht hat sich zumindest das Problem mit der Tastatur bald erledigt. Seit einigen Tagen geistert auf einigen Webseiten eine sehr feine Idee herum. Angeblich arbeitet die Firma OLO im Moment an einem Netbook, in das ein Iphone an Stelle des Touchpads als Navigationselement eingeklinkt wird.

Darstellung unter http://olo-computer.com

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Was ist Web 2.0?

Mit der Frage „Was ist Web 2.0“ lässt sich Seite über Seite in einem Blog füllen. Oder man – in diesem Fall war es eine Frau – nimmt einen Stift zur Hand und zeichnet es auf.

Gleichermasse einfach, wie genial, was Jessica Hagy da in Ihrem Blog macht:

Quelle: Jessica Hagy unter http://indexed.blogspot.com

Wer mehr von diesem Zeichnungen will, findet bei Amazon auch ein Buch von ihr.

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Vor zehn Jahren habe ich während meines Volontariats das erste Mal über das Format MP3 geschrieben. Obwohl es vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen entwickelt wurde, hatte es damals noch so einen Hauch vom Musik-Piraten-Format. Und ohne diese Erfindung wären Tauschbörsen wie Napster, Audigalaxy oder Kazaa nie möglich gewesen.

Steve Jobs hätte wahrscheinlich auch nicht so viele iPods und iPhones verkauft, wenn es kein MP3 geben würde. Irgendwie frage ich mich auch immer wieder, warum sich nie jemand über das kinderleichte Konvertieren von CDs in MP3 mit iTunes beschwert hat.

So richtig wichtig ist das allerdings nicht mehr, denn die Musikindustrie hat längst eingesehen, dass sich mit dem Internet das gesamte Geschäftsmodell geändert hat:

  • Als Radiowecker kann mein wireless device chumby auf die riesige Programmpalette von Shoutcast zugreifen.
  • Bei der Arbeit am Laptop probiere ich auch immer mal wieder Dienste wie last.fm oder GrooveFM aus.
  • Dank Sites wie podOmatic ist es auch sehr einfach geworden abwechslungsreiche DJ-Mixe für iPhone oder iPod zu finden.

Wenn ich ehrlich bin, hat die Digitalisierung dazu geführt, dass meine ganze Schallplattensammlung mehr Kontakt mit dem Hausstaub als mit dem Plattenspieler hat.

Geballte Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit dem Plattenspieler

Früher habe ich in manchen Monaten mehr als 400 Mark für Schallplatten ausgegeben. In diesem Jahr waren es bisher nicht mal 40 Franken. Und dabei habe ich noch einen Gutschein für iTunes genutzt.

Bleibt die Frage, wovon die Musikbranche heute noch leben kann. In der vergangenen Woche gab es mehrere spannende Antworten darauf:

  • „Comes with Music“ heisst die neueste Idee von Nokia. Beim Kauf bestimmter Handys sollen die Kunden in Zukunft ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu 5 Millionen Songs bekommen.

Wer wissen will, was morgen noch so alles auf die Branche wartet, sollte auf jeden Fall mal in den Podcast des britischen Guardians reinhören. Dort diskutieren ein paar Menschen, deren Branche den Wandel bereits hinter sich hat:

  • Sony/BMG’s Director of Strategy, Federico Bolza
  • Martin Sticksel von Last.fm
  • Ian Hogarth, CEO von Songkick
  • Ben Perreau CEO von gigulate

Wenn ich mir die Diskussionen im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse anschaue, sollten wohl nicht nur Musikfans beim Guardian reinhören. Ich würde keinen Franken wetten, dass Amazons E-Book-Reader Kindle spurlos an der Buchbranche vorbeigeht.

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