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Archive for Januar 2008

Geduld zahlt sich aus

Blogs, Foren oder Wikis – Um ehrlich zu sein, hat sich mein Informationsverhalten in den vergangen Jahren schon sehr stark verändert. Zumindest wenn es um News zur schnellen Weiterentwicklung des Internets geht, treten Bücher in den Hintergrund. Wahrscheinlich bin ich da kein Einzelfall. Eines der wenigen Bücher, das es dann doch in die Regale von vielen Web-Interessierten geschafft hat, ist „The long Tail“ des US-Journalisten und Wired-Chefredaktor Chris Anderson. Er vertritt die Meinung, dass „ein Anbieter im Internet durch eine große Anzahl an Nischenprodukten Gewinn machen kann“. Inzwischen sind viele zu der Überzeugung gekommen, dass dies für den Verkauf von Produkten und für Inhalte gilt.

Damit tun sich einige noch schwer, denn von irgendwas müssen ja auch Online-Medien bezahlt werden. Und da sind 1000 Zugriffe in fünf Jahren nicht unbedingt das, was Werbekunden suchen.

Die Rubrik Do- it-Your-Self-Video-Rubrik (DIY VIDEO) bei STOMP ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich etwas Geduld auszahlen kann. Neben grossen Konkurrenten wie Youtube kann auch STOMP nicht von heute auf morgen Millionen von Abrufen auf Millionen von Videos haben.

Der Charme liegt jedoch in der persönlichen Note, denn hier gibt es nur selbst aufgenommene oder selbst produzierte Videos. Und Dank der Geduld der Macher, gibt es dann nicht nur immer mehr Abrufe sondern auch ein paar kleine Kunstwerke. Das was Beth Hunter in einer Heimarbeit von fünf Monaten als Rückblick auf ihre Liebesgeschichte produziert hat, ist deutlich mehr als die gängigen Videos zur Silberhochzeit.

Da der Film bei einigen Leserinnen und Lesern zu Ladeproblemen mit diesem Blog geführt hat, gibts den Clip jetzt hier. Es dauert immer noch ein wenig bis er geladen ist, aber es lohnt sich.
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Manchmal habe ich ja schon das Gefühl in einem Film zu sein. Die Regisseurin von gestern abend heisst Christine, sie lacht viel und ist ungefähr 55 Jahre alt. Obwohl sie bei der Business Times, dem Wirtschaftsblatt der SPH arbeitet, wurde sie gebeten mein Hotel zu organisieren.  Da ich nun sowieso in der Stadt bin hat sie mich gleich zu einer Champagner Night ins Sheraton Hotel eingeladen. Treffpunkt in Ihrem Büro. Der Einstieg war ideal: Sie ist ein grosser Schokoladenfan. Meine Gastgeschenke wurden dankbar in der Vorratsschublade ihres Schreibtischs verstaut. Zum Beweis, dass ich die richtige Marke ausgesucht hatte, zeigte sie mir gleich die andere Tafeln Lindt-Schokolade, die dort liegen.

Ungefähr drei Mal im Jahr veranstaltet die Business Times einen Event mit rund 150 Werbe-Kunden und Wirtschaftsjournalisten. Da dauert es keine fünf Minuten bis der erste Kolumnist wissen will, wie Schweizer zu UBS und Singapur stehen. Getreu der Devise „viel Reden und nichts sagen“ kann man sich dann als europäischer Gast irgendwann doch zurück ziehen und den nächsten schwierigen Aufgaben widmen. Dazu gehört zum Beispiel das vorgeschriebene Übergeben einer Visitenkarte mit zwei Händen, während man eigentlich schon das erste Glas Champagner in der Hand hat. Das ist der Moment, in dem ich mir wirklich drei Hände gewünscht habe.

Auf den Vistenkarten stehen Berufsbezeichnungen wie „Vice President Asia Pacific“ oder „Managing Director Asean“. Die Spannung lässt nach, wenn beim ersten Smalltalk mit dem hiesigen Vertreter einer deutschen Solartechnik-Firma der Weisswein aus dem Rheingau gelobt wird.  

Der anstrengendste Teil des Abends ist dann aber die Champagner-Probe, denn in Asien wäre es wirklich sehr unhölfich gewesen, wenn ich auch nur einen der folgenden Kandidaten abgelehnt hätte:

Brut Premier Cru Rosé
90% Pinot Noir und Pinot Munier mit 10 % Chardonnay

Brut Premier Cru Blanc de Blancs
100 Prozent Chardonnay

Brut Premier Cru Vintage 2000
Zu gleichen Teilen Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay

Brut Premier Cru Blanc de Noirs
70 % Pinot Noir und 30%  Pinot  Meunier

Clos du Moulin (blend of 1996/1998/1999)
Gleichwertige Mischung aus Pinot Noir und Chardonnay

Brut Premier Cru Renaissance 1999
40 % Pinot Noir, 20 % Pinot Meunier und 40% Chardonnay

 

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Langsam lichtet sich der Nebel. Gestern besuchte ich eine der führenden Newsplattformen in Singapur. Hinter der Adresse http://www.asiaone.com verbirgt sich ein beeindruckendes General-Interest-Portal. Nachdem ich dann nochmal das Portfolio der Singapore Press Holdings (SPH) angesehen habe wurde mir klar, dass die strategische Planung für Internet recht nahe am Vorgehen im Print liegt. Auch im Web werden hier unter einem Dach sehr gezielt für unterschiedliche Zielgruppen Angebot generiert.

Mein Englisch ist zwar schon ein wenig besser geworden, aber wenn ich die Zielgruppe „working people“ mit „arbeitende Bevölkerung“ übersetzen würde, dann klingt das für mich eher nach einem Begriff aus dem Sozialismus als nach einer Zielgruppenbeschreibung. Sei es drum: Genau diese „working people“ möchte Asiaone erreichen. Die Inhalte bezieht die Plattform von Nachrichtenagenturen sowie aus den Zeitungen und Zeitschriften der SPH.

Aus europäischer Sicht sind bei Asiaone zwei Dinge bemerkenswert. In Sachen Online-Werbung sind die Macher nicht ängstlich. Statt mit der Startseite wurden die Besucher gestern für rund zwei Minuten mit einer bildschirmfüllenden Werbung für eine Fluglinie begrüsst. Und auch in den Ressorts gibt es manche ungewohnte Platzierung an Stellen, die eigentlich für redaktionelle Inhalte vorgesehen sind. Ich habe keine Ahnung wie die Leser darauf reagieren.

Der zweite interessante Bereich von Asiaone scheint beim Leser vermutlich beliebter. Wo sonst wird die Lesermeinung aus Foren so prominent in die Berichterstattung einbezogen? Zumindest ich, habe vorher noch keinen Internet-Newsticker gesehen, in dem die Lesermeinung unter dem Stichwort „mailbox“ mit der gleichen Gewichtung wie Nachrichten aus den Tageszeitungen präsentiert wird.

Ansonsten gibt es wenig Unterschiede zu europäischen Webseiten. Einzig das Wetter, das sonst immer auf der ersten Seite einer Nachrichtenwebseite steht, muss der Leser etwas länger suchen. Hier ist die Vorhersage sehr weit hinten versteckt. Nach zehn Tagen wundert mich das aber auch nicht: Ob es jetzt morgen 29 oder 30 Grad hat, interessiert mich auch nicht mehr.

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Audienz beim König

Zum Abschluss der vergangenen Woche hatte ich ja noch ein echtes Highlight. Ich durfte mit zur Pressekonferenz des Königs. Des Königs der chinesischen Liebeslieder. Fragen konnte ich ihn leider nichts, da alles in Mandarin abgehalten wurde. Umso mehr konnte ich mich auf die anderen Details der Veranstaltung, die in einem Karaokesaal war, konzentrieren.

Jeff Chang ist 40 Jahre alt und seit Jahren im Geschäft. Deshalb ist es zum Beispiel kein Problem, dass während der gesamten Veranstaltung seine Karaoko-Videos – natürlich ohne Ton – auf den Leinwänden links und recht von der Bühne gezeigt werden. Wer genau hinschaut und auf die Grossansicht klickt, sieht das auf dem ersten Bild. Was ein richtiger Star ist, wird auch auf so einer Veranstaltung richtig begrüsst. Nach fünf Minuten Einführung wurde er deshalb sogar von den Journalisten mit einem kleinen Applaus auf der Bühne empfangen.

In den vergangenen Monaten wurde viel darüber diskutiert, dass in Medienhäusern mehr aus einer Hand für verschiedene Kanäle wie Print und Web produziert werden soll. Wenn ich mich nicht komplett täusche war es hier etwas anders. Wir waren im Namen von STOMP unterwegs und die Kollegen aus dem Print waren selbst mit einem Journalisten und Fotografen da.

Interessant ist auch die spürbar wachsende Bedeutung des Mediums Video. Es waren recht viele Kameras im Raum, die sicher nicht alle für das Fernsehen waren. So wundert es kaum, dass wir nach der Veranstaltung sogar als Website zehn Minuten für ein Einzelinterview vor der Kamera bekamen.

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Wandern im Gewächshaus

Wer im Online-Lexikon Wikipedia zu Singapur nachschlägt bekommt schnell raus, warum es in dieser Stadt an jeder Ecke solche Menschenmassen gibt. Umgerechnet leben hier auf einer Fläche von einem Kilometer rund 6480 Menschen. Im Shopping-Center treffen sich manchmal sogar mehr. Obwohl ich da selten bin habe ich nach einer Woche das Gefühl, dass Momente mit etwas Ruhe und etwas weniger Menschen auch nicht schlecht wären. Zum Vergleich: In der gleichen Quelle ist zu finden, dass es in der Schweiz umgerechnet rund 182 Menschen auf einem Quadratkilometer leben.

Wer je etwas länger in der Stadt zu tun hat, sollte sich deshalb auf alle Fälle die MacRitchie-Trails merken. Mit MRT und Bus sind sie zwar schwer zu erreichen, doch in diesem Fall lohnt sich eines der vielen Taxis, die auch nach der Preiserhöhung immer noch deutlich günstiger als in Europa sind.

Zugegeben vielleich habe ich es etwa übertrieben. So eine Wanderung über 10 Kilometer durch den tropischen Regenwald mag manchem etwas zu viel sein. Zwischen all den Joggern, Affen, Schildkröten und Schlingpflanzen vergeht die Zeit wie im Flug. Und manche Orte sind auch ohne Klima-Anlage sehr sehr angenehm.

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Karaoke 2.0

Inzwischen ist es schon fast zwei Jahre her, dass ich das erste Mal von STOMP gehört habe. Das war bei einem Vortrag der damaligen Chefredaktorin Jennifer Lewis in Europa. Im Publikum waren hunderte von Medienmenschen aus der ganzen Welt. Und als sie das erste Mal auf ihren Wettbewerb MMsing zu sprechen kam, ging ein anerkennendes Raunen durch die Menge.

Die Idee ist gleichermassen einfach wie genial. Wie in anderen Teilen Asiens lieben die Menschen in Singapur Karaoke. Auch heute gibt es jede Menge Bars, in denen mehr oder weniger begabte Menschen ein Mikrofon greifen und zum Playback bekannter Hits mitsingen. Mindestens genauso gern haben die Menschen hier ihr Handy. Es vergeht wirklich kein Meter Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ohne das jemand eine SMS verschickt.

MMsing ist die logische Kombination aus beiden Vorlieben. Im ersten Schritt singen die Leser etwas und lassen sich dabei mit dem Handy filmen. Danach wird der Clip via MMS an STOMP geschickt. Dort wird er kontrolliert und auf der Webseite veröffentlicht, wo die Leser später über den besten Beitrag abstimmen. Im Gegensatz zu den TV-Casting-Formaten wie Musicstar, Popstars oder American Idol winkt dem Sieger hier jedoch kein Plattenvertrag sondern der sehr attraktive Hauptgewinn von 10.000 Singapur Dollar, was mehr als 7600 Franken entspricht.

Ein wenig verrückt und jenseits aller europäischen Gewohnheiten mag mancher vielleicht denken. In einem Punkt sind die Menschen aber hier gar nicht so weit von der Schweiz entfernt. Auch sie lieben ihre Kinder. Und deshalb belegte die talentierte Jennifer Tham mit ihren 17 Jahren nur Platz zwei. Sieger wurde Caleb Lee Kai, der so zwischen 2 und 3 Jahren alt sein muss. Auf den Seiten von STOMP ist er im Moment noch mit seiner Interpretation von „Alle Vögel sind schon da“ zu finden.

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Die erst Woche ist bald vorüber und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es immer mehr Details gibt, die selbstverständlich werden. Was mich im täglichen Leben am meisten überrascht hat? Sieben Dinge, die mir bei dieser Frage in den Sinn kommen:

  • Weg mit der Verkehrserziehung: Inzwischen verleugne ich konsequent alles, was ich als Kind gelernt habe. Links – rechts – links als „Blickregel“ vor dem Überqueren der Strasse hat Dank Rechtsverkehr ausgedient.
  • Platz auf der Rolltreppe: Rechtsverkehr gilt auch dort. Also: Links stehen und rechts gehen. Und auf dem Gehweg wird links gelaufen, wenn einem jemand entgegen kommt.
  • Chickenrice zum Frühstück: Ich schau nicht mehr zweifelnd auf die Uhr, wenn ich Menschen am Morgen vor Curry- oder Pouletgerichten sitzen sehe. Einheimische essen kein Gipfeli am Morgen sondern oft die gleichen Speisen, die Mittags zum Lunch serviert werden.
  • Regenjacken im Büro: Offensichtlich ist es schwierig für alle eine angenehme Bürotemperatur zu finden. Deshalb sponsert die Firma auch Jacken, die einem vor dem kühlen Wind der Klimanlage schützen.
  • Rote Fussgängerampeln sind nicht heilig: Jeder Reiseführer warnt einen vor den hohen Strafen für gewisse Vergehen. Und wenn man in der U-Bahn-Station gerade einen kräftigen Schluck Wasser nimmt und hinter sich das „Essen und Trinken bei einer Strafe von 500 Dollar verboten“ wahrnimmt, läuft einem schon ein Schauer über den Rücken. Das heisst aber nicht, dass hier nicht genauso viele Menschen über rote Fussgängerampeln gehen wie in der Schweiz.
  • Es gibt noch Plätze mit zuviel Personal: In meinem Hotel werden die zukünftigen Servicekräfte der hiesigen Hotel-Vereinigung ausgebildet. Und das sind eine ganze Menge. Der Wochenrekord liegt bei 19 Service-Kräften in einem Speisesaal mit vier Gästen. Und ja, man kann ein Omelett auch im Staffellauf mit dreifacher Übergabe zum Gast bringen.
  • Über die Qualität von Sauerkraut wird nicht nur in Deutschland diskutiert. Wenn einen die Arbeitskollegen zum Feierabendbier ins Brauhaus mitnehmen, können sie mit Bestimmtheit sagen, dass das Sauerkraut dort besser schmeckt als beim jüngsten Oktoberfest in Singapur.

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