Ganz am Anfang habe ich ja hier schon mal über die Leserreporter von Singapore Seen berichtet. Inzwischen hat sich mein Bild etwas verändert. Denn so ein paar Grundzüge einer laufenden Überwachung und Suche nach möglichen Verfehlungen haben die Leserreporter manchmal schon.
Irgendwie weiss keiner, wann er von wem bei seiner Verfehlung fotografiert oder – wie wir hier in Anlehnung an die Plattform sagen – gestompt wird.
In den vergangenen Wochen habe ich gelernt, dass die Leserreporter in ihren MMS, also den Fotos, die sie mit dem Handy an die Redaktion von STOMP schicken, besondere Vorlieben haben. Dazu gehören beispielsweise auch die Momente, in denen jemand die Regeln der Gemeinschaft bricht. Das fängt beim falschen Parken an, geht über die Füsse auf dem Sitz der U-Bahn und endet bei den Nachwuchsmedizinern, die sich besser fühlen, wenn sie in den Laborkitteln ins öffentliche Restaurant gehen.
Ist das wirklich eine andere Mentalität, die Menschen dazu bringt sowas zu fotografieren und ohne Honorar an ein Medienhaus zu senden? Nach drei Wochen mit überfüllten U-Bahnen und Shoppingcentern glaube ich nicht mehr daran. Hier leben rund 6480 Menschen auf einem Quadratkilometer. Das fühlt sich manchmal wie 24 Stunden Zürich Hautbahnhof während der Rushhour an. Ganz offensichtlich werden da auch ruhige Gemüter irgendwann etwas gereizter.
Ich kann aber alle beruhigen: Den netten Herren, der heute trotz überfülltem Zug einen Sitzplatz mit seiner Tasche besetzt hat, habe ich nicht fotografiert. Soll er doch. Wenn ich in einer Woche in die Schweiz zurückkehre, habe ich wieder jede Menge Orte mit Platz.
[...] Bürgerjournalisten schreiben nicht nur selbst. Sondern entscheiden auch selbst worüber und wie ausführlich sie über etwas schreiben. Das Agenda Setting geht also von der Redaktion zum Leser. Schön lässt sich das auf “Singapore Seen” der Plattform STOMP beobachten. [...]