Das Prinzip der Leserreporters ist schnell erklärt: Grundsätzlich kann dabei jeder per Mail, SMS/MMS oder Telefon seine Geschichten einem Medienhaus mitteilen. Dort wird das Thema dann auf einer Website, im TV oder in einer Zeitung veröffentlicht. Das gibt es inzwischen fast auf der ganzen Welt. In den vergangenen Monaten wurde vor allem darüber diskutiert, ob das nicht gefährlich ist, denn schliesslich sollen die Menschen nach einem Unglück ja besser helfen als mit dem Handy ein Sensationsvideo drehen. Auch mancher Prominenter hat Bedenken, wenn jeder Privatmensch mit seinem Handy zum Paparazzo wird und Zeitungen sowas dann auch noch veröffentlichen.
Unter dem Titel “Singapore Seen” hat auch die Straits Times in Ihrem Online-Auftritt STOMP eine solche Leserreporter-Rubrik. Die besten Online-Beiträge werden einen Tag später dann nochmal auf der Sonderseite einer Pendlerzeitung veröffentlicht.
Vielleicht ist es eine Frage der Mentalität, aber wer sieht, was die Leserreporter hier in die Redaktion schicken, bekommt einen anderen Blick auf das Thema. Statt Unglück, Mord und Prominente an der Burger-Bude sind es eher die kleinen Kuriositäten, Ärgernisse und Alltags-Ängste, die hier eintreffen.
Ein misshandelter Hund, der verlassen im Park aufgefunden wurde. Der Spielhallenbesuch in Arbeitsuniform oder ein Nachbar, der mit seinen Wasserbecken auf der Terasse die Fortpflanzung von Moskitos erleichtert. Viele traditionelle Journalisten ziehen bei den Top-Themen von heute vielleicht die Augenbrauen hoch. Doch wenn nach wenigen Minuten schon mehrere hundert Abrufe auf einem Beitrag sind, dann kommt mir wieder die alte Weisheit vom Köder, der dem Fisch und nicht dem Angler schmecken muss in den Sinn.