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2009 war bisher nicht mein Blogger-Jahr. Gut ein Jahr nach dem ersten Blog-Beitrag ist es deshalb Zeit für eine Pause. Dieser Blog wird vorerst nicht mehr aktualisiert.

google_sm2Heute schon nachgeschaut, was Google über Dich weiss? Manchmal schadet das wirklich nicht. Ganz neu ist die Diskussion zum Thema Online-Reputation nicht.  Es macht sich einfach nicht gut, wenn die Personalabteilung ihren Bewerber wegen aussagekräftiger Partyfotos schon vor der Einstellung als Kampftrinker identifiziert. Eigentlich sollte das inzwischen  jeder mal gehört haben.

Doch auch ohne ausschweifenden Lebenswandel lohnt es sich mal zu fragen: Was weiss Google über mich? Die private Handynummer, eine Beziehung mit einer Frau namens Claudia, Claudias Telefonnummer im Büro, die Vergangenheit in einer Rockband… Der 29jährige Franzose Marc L. war ganz offenbar etwas unvorsichtig mit seinen persönlichen Daten im Netz. Deshalb hat das französische Magazin “Le Tigre” mit ihm eine gleichermassen faszinierende wie erschreckende journalistische Darstellungsform erfunden:  “Das Google-Portrait.”

In diesem Portrait erfährt der Leser Dank offener Einträge in Flickr und Facebook eine ganze Menge über Marc L***. Inzwischen hat Marc alle seine Einträge gelöscht. Nach einer Meldung der französischen Nachrichtenagentur AFP will “Le Tigre” aber auch in Zukunft solche Google-Portraits veröffentlichen.

Wer keine Lust auf Portraits in französischen Magazinen hat, sollte sich bei Facebook in der Rubrik “Settings” mal ganz in Ruhe den Bereich “Privacy Settings” anschauen.  Sowas gibt es auch in den meisten anderen Social-Media-Angeboten.

Es wäre so schön. Mit einem einfachen Klick könnte YouTube die ganze Online-Welt der Tagsezeitungen im Web verändern. Wäre es nicht praktisch, wenn jede Tageszeitung auf ihrer Webseite einfach einen Player integrieren könnte und passend zu jeder Story auch eines der unzähligen Videos von YouTube veröffentlichen könnte? Wer sich mal die Mühe macht und mit einem Juristen über dieses Thema redet, lässt das schnell sein. Denn schon in den Nutzungsbedingungen steht:

“You agree not to use the Website, including the YouTube Embeddable Player for any commercial use, without the prior written authorization of YouTube. Prohibited commercial uses include any of the following actions taken without YouTube’s express approval:

  • sale of access to the Website or its related services (such as the Embeddable Player) on another website;
  • use of the Website or its related services (such as the Embeddable Player), for the primary purpose of gaining advertising or subscription revenue

Wäre spannend zu wissen, wie die US-Anwälte reagieren, wenn Sie sehen, welche Schweizer Newsportale mit Banner-Werbung so alles YouTube-Videos syndizieren und neben ihren Artikeln integrieren.  Im vergangenen Jahr hat mich auch mal ein Jurist darauf aufmerksam gemacht, dass die “Terms of Use” vieler Angebote im Web 2.0 eigentlich nur für den Gebrauch von Privatpersonen gemacht sind. Das heisst, dass sich Medienhäuser dann sowieso nicht auf diese “Terms of Use” berufen können, wenn sie bei der Nutzung eines solchen Dienstes irgendwelche Copyrights verletzen. Zu Risiken und Nebenwirkungen bei Content-Syndizierung im Web 2.0 fragen Sie also besser den Anwalt ihres Vertrauens.

Trotzdem sollte YouTube nicht aus dem Blickwinkel von Tageszeitungsmachern verschwinden. In den USA haben die Verlage längst die Marketing-Power dieser Plattform erkannt. Wer seine eigenen Newsvideos zusätzlich noch über YouTube anbietet scheint einen echten Vorteil zu haben. Bei www.10000words.net gibt es eine schöne Übersicht von mehreren hundert Verlagen, die zu dieser Überzeugung gekommen sind:

youtube-map1www.10000words.net

Wie das iPhone benutzt wird

Für Webverantwortliche sind Usability-Tests manchmal eine herbe Enttäuschung. Selten agieren unbedarfte Nutzer so, wie sich die Verantwortlichen das mal bei der Konzeption der Webseite vorgestellt haben. Das zeigt sich sogar beim iPhone, das sonst so oft wegen seiner intuitiven Handhabung gelobt wurde.
i-usability

“Wir müssen dann schon aufpassen, dass aus Bürgerjournalismus nicht irgendwann Würgerjournalismus wird.” Manche Sätze aus einem Meeting bleiben einem länger im Kopf. Und mit einem abgeschlossenem Rhetorik-Studium habe ich Respekt vor gut gemachten Wortspielen. Dies hier ist zwar etwas schräg, aber durchaus zündend, wenn es um polemische Stimmungsmache geht.

Wenn jetzt noch von “Loser Generated Content” die Rede ist, dann finde ich diese Abwandlung von “User Generated Content” rein sprachlich auch nicht ganz talentlos.

Apple-Kurs sinkt nach Falschmeldung eines Leserreporters

Inhaltlich sind solche Äusserungen ein Akt der letzten Verzweiflung. Daran ändert auch “Johntw” nichts Wesentliches. Anfang Oktober hat “Johntw” mit der Falschmeldung über einen angeblichen Herzinfarkt von Apple Boss Steve Jobs beim iReport von CNN für grosse Aufregung gesorgt.

Dies ist mehr als ein schlechter Scherz und die negativen Auswirkungen auf den Börsenkurs von Apple haben gezeigt, was ein einzelner Bürgerjournalist alles anrichten kann.

Im Moment gibt es allerdings mehr als 171 000 Beiträge auf der CNN-Plattform, die erst im Februar gestartet ist. Wenn ein Idiot daneben haut, sollte sich der eine oder andere Kritiker deshalb schon überlegen, ob er gleich das ganze Genre in Frage stellt. Es gab auch im professionellen Medienbetrieb mehr gravierende Falschmeldungen als die Hitler Tagebücher beim Stern. Danach wurde auch nicht die Publikationsform “Magazin” in Frage gestellt. Warum also die freudigen Reaktionen auf ein Scheitern und Polemisches wie “Würgerjournalismus” ?

Falsche Erwartungen an Bürgerjournalisten gehabt

Es ist die pure Enttäuschung, die Kritikern von Bürgerjournalismus und User Generated Content so viel Aufwind verschafft. Vor gut zwei Jahren hatten viele  Verleger in Deutschland noch glänzende Augen, als die Saarbrücker Zeitung mit dem Leserreporter anfing. Beim Ifra-Kongress Zeitung online 2006 wurde begeistert über das Thema diskutiert.

Die Technik kam von den Pionieren der norwegischen Verlagsgruppe Schibsted. Beim Boulevard Blatt Verdens Gang hatten die Norweger während des Tsunamis beeindruckende Erfahrungen gesammelt. Das  Lehrstück zum Thema Bürgerjournalismus wird in diesem PDF ab Seite 46 verkürzt erklärt.

User Generated Content gibt es nicht kostenlos

Was der Referent damals verschwieg, sind zwei Grundregeln des Bürgerjounalismus, die jedem ausgebildeten Journalisten auf den Magen schlagen:

  • Medienhäuser und Journalisten verdienen Geld mit Inhalten. Wenn jemand trotzdem kostenlose Inhalte für ein Medienhaus liefert, bedarf es zumindest einer grossen Portion Respekt. Wer da nach journalistischen Massstäben redigiert, wird schnell merken, dass seine Leserreporter das gar nicht schätzen.

Mit Themenauswahl, Themengewichtung und einer eigenen Sprache nehmen die Leserreporter klassischen Journalisten also sehr viel Elementares aus Ihrem eigentlichen Berufsbild weg.

Da kann man schon mal etwas polemisch mit Schlachtrufen wie “Würgerjournalismus” und “Loser Generated Content” reagieren. Aufhalten lässt sich die Entwicklung damit allerdings nicht.

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